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Skaten in Kalifornien 2004
Sonntag, 24 Oktober 2004

Skaten in Kalifornien

Ein Gülser Mosel Skater berichtet

Irgendwie ergab es sich, dass ich eine Woche in Kalifornien zu tun hatte. Also Kofferpacken, dann die spontane Eingebung „nimm die Skates mit“. Koffer auf, Klamotten raus, großen Koffer her, Klamotten rein Skates, Schützer, Zubehör obendrauf. Die Folge, ob solch seltsamen Kofferinhalts: Alarm beim Gepäckcheck am Flughafen, also Koffer auf, Klamotten raus … Na ja irgendwann stieg ich den doch am späten Samstagabend an der an Pazifikküste aus dem Flieger und ab ins Hotel.

Sonntagmorgen, Augen auf, Sonne scheint, Skates an und mal sehen wie es denn hier im Hellen aussieht. Hoppla, vorm Hotel geht’s erst mal kurz aber steil bergab. Krieg ich schon hin, bloß dass der Stopper schon ziemlich fertig ist und da gleich die Ampel mit der Hauptstraße ist. Ich biege gleich wieder ab, fahre durch ein recht idyllisches, sonntäglich verschlafenes Wohnviertel zum Strand und treffe dort auf einen Skatertraum: ein wunderbarer breiter Radweg mit bestem Belag führt an der Küste entlang.

Und schon nehme ich ihn unter die Rollen. Rechts der Pazifik, links Monterey, eine kleine Stadt südlich von San Franzisko. Vorbei am Strand, dem Hafen, Fischerman’s Warft, den Molen und auf die Strandpromenade. Jede Menge Jogger, Walker und Cycler sind unterwegs, als Skater in vollem Outfit falle ich irgendwie auf. Weiter geht’s aus der Stadt heraus vorbei an kleinen Touristenshops und hübsch angepflanzten kleine Parks. Die Bucht ist zuende, der Strand geht über in eine Felsküste mit tosender Brandung und darüber kreisenden Möwen.

Das bellen der Seehunde kündigt das Aquarium an, der Stopp lohnt sich, neben Fischen aller Art begeistern mich die Quallen. Vor einem blauen Hintergrund und mit diversen Lampen angestrahlt glitzern und leuchten sie in schillernden Farben und ich kann ihre gleichmäßige harmonische Bewegung durch das Wasser fasziniert beobachten.

Weiter skate ich durch die Vororte, vorbei an eindrucksvollen Villen. Das bunte Gemisch der Baustile erinnert mich an Spanien, die Südstaaten oder die Kolonialzeit. Auf der anderen Seite liegen zwischen den Felsen immer wieder Sandstrände und tolle liebevoll bepflanzte Parks. Dahinter der Pazifik und darüber die strahlende Sonne. Es wird angenehm warm. Eine mehr als 100m Lange Mauer fordert mich zum Stopp auf, über ihre ganze Länge erzählt ein riesiges Gemälde die Geschichte der Indianer.

Der Belag vom Radweg wird sehr rau, die Skates schütteln die Füße durch. Die Küstenlinie knickt ziemlich scharf ab, auf der Spitze ragen die Felsen weit in die Brandung hinein, ich bin am Lover’s Point. Der Radweg endet, weiter geht’s auf der Straße. Die Küstenlinie knickt immer weiter um die Ecke, bis der Straßenname Sunset Drive mich animiert ein paar Tage später zum Sonnenuntergang wieder zu kommen. Ein sehr schön in die Landschaft eingepasster Golfplatze fällt mir auf, nach dem Sonnenuntergang sehe ich dort viele zutrauliche Rehe. Aber noch ist heller Tag und ich bin begeistert. Es wird bergig und der Asphalt schlechter. Skates aus, Pause am Strand und ich lasse Meer, Strand, Fels, Brandung und Sonne auf mich einwirken.

Dann düse ich zurück, diesmal mache ich etwas Tempo und fliege vorbei am Sunset Drive, Lover’s Point, dem Gemälde, dem Aquarium, der Mole und dem Hafen und bin am Ausgangspunkt.

Nun erkunde ich von hier die andere Richtung. Es sieht ganz anders aus: Dieser Weg führt etwas weiter weg von der Küste, geht hinter den Dünen vorbei und durch einen Wald. Dann teilt er sich führt über die Dünen oder in die Stadt und zu einem großen Einkaufsgebiet mit etlichen großen Supermärkten aller Art. Da auch ein Skater ohne Proviant nur annähernd ewig läuft fahre ich in den einen oder andern Supermarkt um meinen Rucksack zu füllen oder einfach nur zu schauen. Ich probier es erst mal auf Skates, was angesichts der großen Ladenflächen sinnvoll ist, aber manchmal zu höflicher Aufforderung führt „No Skates, please“. Auch kein Problem, denn für den Zweck hab ich ja meine Schlappen im Rucksack. Nur ein Skater-Shop ist nicht zu finden und ich wird wohl ein Problem mit meinem Stopper kriegen.

Genug vom schnöden Kommerz, ich sehe zu, dass ich wieder an die Küste komme und wähle den andern Weg, der in die Dünen führt. Und sehe gleich er führt nicht in, nicht durch nicht unter den Dünen durch, nein ich muss oben drüber. Es geht gleich los mit einer Serpentine ganz hoch auf die erste Düne, dann schlängelt sich der Radweg gar lieblich auf und ab und rechts und links und ich komme aus der Puste. Von eine Düne gibt es einen herrlichen Blick sowohl über die Stadt als auf den Pazifik. Ich schnalle die Skates ab, laufe barfuss bis auf die Düne, mache Picknick und halte genieße das Panorama. Es geht noch ein kurzes Stück weiter, dann führt der Weg noch weiter hinein ins Landesinnere und läuft mit starken Steigungen und Gefällen neben der Highway her. Ich beobachte eine Weile den stetig und – für deutsche Verhälnisse – beschaulich dahin geleitenden Verkehr und träume von meinem nächsten Urlaub: mit der Harley an der Küste entlang tuckern und die Skates in den Satteltaschen …

Zurück über die Dünen, diesmal die Serpentine downhill, die Einmündung in den Radweg geht scharf ums Eck und ist eng aber gut einsehbar, also wähle ich die sportliche Lösung. Speed, speed, speed, Ideallinie wie Schumi und Wusch .., das war knapp, auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist die Wegbreite begrenzt.

So weit der Sonntag, die andern tage bleibt nicht viel Zeit, es reicht allerdings für eine Spritztour morgens und abends und ich erwische dabei sowohl einen schönen Sonneaufgang als auch einen Untergang. Ein Problem bleibt der Berg, ein Skatershop ist nicht zu finden, der Schraubenkopf am Stopper ist schon nicht mehr rund sondern schlicht weg, nur ein Gewindestück ist noch zu sehen. Skater treffe ich sehr selten und die fahren dann meist Rollschuhe, dies aber ausgesprochen elegant und geschmeidig. Es gibt auch eine Skaterhalle, die ich natürlich auch aufsuche, dort fahren aber auch die Rollschuhläufer und komme mir im vollen Outfit wieder recht exotisch vor.

Mit den kalifornischen Autofahrern hatte ich anfangs ein Problem. Der deutsche Autofahrer, der einen Skater sieht, gibt Gas und ist weg. Der Kalifornische bremst, guckt, beschleunigt langsam und außerdem sind die Autos viel länger. Wenn dann also nach deutschen Gewohnheiten die Kreuzung schon lange wieder frei ist, dann war in Kalifornien immer noch viel Kofferraum quer vor mir und die ersten male musste ich da zu recht kreativen Lösungen greifen um da dann noch drum rum zukommen.

Letzter Tag. Früh hoch, die Skates an, Stopper, Schraube nix mehr da, also auf der Plastik-Halterung den Berg runtergebremst. Ein letztes Mal an der Küste herumgedüst, zum Abschied ein typisch amerikanisches Frühstück in einer typisch amerikanischen Bar, zurück zum Hotel. Komisch, dort fallen mir 14 dünne schwarze Streifen im Asphalt am Berg vor dem Hotel auf, die hab ich bei der Ankunft vor sieben Tagen nicht bemerkt. Die Skates und Klamotten halbwegs mit dem Fön getrocknet und ab in den Koffer. Sollen sich Zöllner und Security doch die Nase zuhalten. Aber die haben es geahnt, keiner will diesmal in den Koffer gucken.

Nach 11,5 Stunden schlaflosem Nonstop-Flug im knallevollen Flieger zurück in Frankfurt. Schnee, Kälte und Jetlag lassen mich zittern, aber die Erinnerung an die traumhafte Landschaft und die Freude auf die nächste Skatertour (Sardinien mit 10 anderen Gülser Mosel Skater und Skaterinnen) erwärmen mich wieder und ich träume vom Urlaub mit der Harley und den Skates.

 
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