Sommerabschlusstour der Anfängergruppe am 25.09.2011
Sonja fragte uns im Sommer mal, ob wir Lust auf eine längere Tour zum Saisonabschluss hätten. Wenn ja, würde sie eine schöne Strecke für uns aussuchen. Der allgemeine Tenor war positiv und so harrten wir der Dinge, die da kommen sollten. Endlich kam die Einladung, nicht nur für die Anfängergruppe, sondern auch für die restlichen Vereinsmitglieder. Eine gemütliche Sommerabschlusstour war angekündigt – mit etwa 50 km Streckenlänge. Klasse, dachten wir und meldeten uns flugs an.
Schließlich waren wir wagemutige 15 SkaterInnen und eine wackere Radfahrerin – Christine. Mit welchen Versprechungen Sonja ihre Schwester zu dieser Tour locken konnte, ist mir nach wie vor ein Rätsel…
Vom Busparkplatz Güls ging es in Fahrgemeinschaften bis Namedy. Dort wurde dann die Katze aus dem Sack bzw. die Skates aus den Autos gelassen.
Die Bestellung beim Universum wegen des passenden Wetters klappte ja noch ganz gut, aber bei der Streckenplanung ist irgendwas schief gegangen. Die ursprünglich geplante Strecke musste wegen diverser Weinfeste etwas modifiziert werden, aber es hieß immer noch „gemütlich“. Es wird ein bisschen bergauf gehen, aber das schaffen wir schon… Nun ja… - lest selbst.
Von ca. 70m üNN ging es stetig bergauf bis auf etwa 370m. Von Namedy über Burgbrohl, Niederzissen, Dedenbach, um einige Orte an der Strecke zu nennen. Von der Landschaft bekamen wir bloß am Anfang noch was mit. Nur kurze Pausen waren uns vergönnt. Helmut trieb uns immer wieder an. Wie wahr seine Drohung „Es wird dunkel!“ werden sollte, wussten wir bis dahin noch nicht. Noch lachten wir ihn aus.
Endlich ging es wieder bergab. Aber nur bis auf etwa 240m, dann hieß es noch mal ganz viel Schwung holen – wir mussten bis auf 545m hoch! Mensch und Material wurden an ihre Grenzen gebracht. Doch hier zeigte sich wahrer Sports- und Teamgeist. „Dopingmittel“ wurden freigiebig geteilt, „Lokomotiven“ schoben oder zogen wahlweise die entkräfteten Skater bergan, Gepäck wurde auf andere Skater bzw. das Fahrrad umgelagert, Krampfgeplagte wurden umsorgt. Unser Jammern wird den Anwohnern an der Strecke noch lange im Ohr bleiben. Helmut war dieses Mal fein raus: „Ich hab‘ damit nichts zu tun.“ Und grinste sich eins.
Manche sagten gar nichts mehr, andere waren kurz vorm Pfeifen (sprich Platzen).
Selbst Reingard, die sonst immer schon kilometerweit vor Autos, Radfahrern, Fußgängern und ähnlichen Hindernissen auf Skaterwegen warnt, ließ sich bei uns nachfolgenden Autos zu der Aussage hinreißen: „Das ist jetzt egal. Jetzt fahren WIR!“
Das schöne Wetter lockte neben den Motorradfahrern auch viele Radfahrer in die Berge. Da diese sich wie wir auch nur mit Hilfe ihrer Muskelkraft fortbewegten, konnten sie unsere Leistung gut einschätzen. Ihre anerkennenden Grüße taten uns allen gut. Und bei einer maximalen Steigung von knapp 10 Prozent sowie einem Anstieg von knapp sieben Kilometern haben wir uns dieses Lob wahrhaftig verdient!
Schließlich hatten wir die höchste Stelle erreicht. Dort konnten wir uns auf zwei Bänken ein wenig länger stärken und die ersten Blessuren verarzten. Die Abfahrt nach Ahrweiler brachte Interessantes: Jörg stieg allmählich auf die Schiene um – wohlgemerkt auf die vom Skate, nicht auf die von der Deutschen Bahn. Christine nahm ihn am Fahrrad an den Haken, bis er dann endlich im Restaurant in Ahrweiler Sonja ihren Bremsklotz aus dem Kreuz bzw. Skate leiern konnte.
Und bei Ene gab es einen wahren Adrenalin- und Endorphinschub, der seinesgleichen sucht. Unser „Bergab-Angsthase“ drehte urplötzlich auf und sauste „völlig losgelöst von der Erde“ davon.
Als wir in Ahrweiler einrollten, sorgten wir für viel Staunen im gut bevölkerten Örtchen. Vor allem diverse ältere Herrschaften fielen von einem „Oh“ ins and’re„Ah“.
Sonja hatte uns wenige Tage vor der Tour mal wieder über Koblenzer Altstadtpflaster gescheucht. So hatten wir diesmal keinen Bock mehr, auch noch mit dem Ahrweiler Kleinpflaster Bekanntschaft zu machen. Also hieß es „Absitzen“ und zu Fuß eine gemütliche (dieses Mal wirklich!!) Wirtschaft zu suchen. Dort konnten wir uns an Speis und Trank laben, uns auch äußerlich mit kühlem Nass erfrischen und die Wasservorräte für die Heimfahrt auffüllen.
Dann hieß es „Auf, auf! Es wird dunkel!“ und wir verließen schweren Herzens und mit ebensolchen Beinen diesen gastlichen Ort. Kurz vorm Ortsausgang spannte Helmut in seiner unnachahmlichen Art wildfremde Leute als Fotografen ein, Susi fiel in die Brennnesseln und alle lachten zur „Ameisen-Sch…“
Der weitere Weg führte uns durch das landschaftlich reizvolle Ahrtal. Aber die Strecke zurück nach Namedy war immer noch weit. Wir rollten unter anderem durch Heimersheim, Bad Sinzig und Bad Breisig. Und was soll ich Euch sagen – es wurde tatsächlich dunkel. Das letzte Stück vor Namedy am Feldrand entlang war zappenduster.
Letztendlich aber kamen wir nach etwa acht Stunden ohne Sturz und – ich bin ehrlich –durchaus frustriert wieder am Parkplatz an. Angesichts der kraftraubenden Streckenführung versagten nicht nur unsere Muskeln, sondern auch die Höhen- und Weitenmesser. Knappe 70 Kilometer waren es. Wir mussten zweimal hin gucken, es waren ja nur 50 vorhergesagt…
Aber: stolz waren wir doch, diese Strecke geschafft zu haben.
Manöverkritik:
Den Busparkplatz in Güls mag Jeder von uns kennen, aber wenn eine Tour in die Gegenrichtung geht, finden Alle sicher auch einen anderen Treffpunkt.
Angekündigte Strecken nicht mehr so gravierend verändern, man stellt sich schließlich material-, verpflegungs- und zeitmäßig auf eine Tour ein (mit kleinen Zuschlägen natürlich).
P.S. Einen Tag später stiegen wir vom Skatertraining auf (innerliches) Eistraining um. Dabei konnten wir unseren Frust bei unserer trotzdem tollen Trainerin Sonja abladen und werden nicht nachtragend sein, sondern freuen uns auf eine optimierte Ausgabe im nächsten Jahr.
Kerstin Koch
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